Mirella
Regie: Oliver Bruck
Schnitt: Jake Goodchild, Oliver Bruck
Darsteller:innen: Mirella Ricciardi
Mirella Ricciardi, geboren auf einem weitläufigen Bauernhof in Kenia als Tochter eines ehemaligen italienischen Kavallerieoffiziers und einer Schülerin Rodins, wuchs inmitten der Widersprüche und des ungestümen Optimismus des Kolonialismus auf. Sie hielt ihre Welt in ihren Fotografien ostafrikanischer Gemeinschaften fest, die später als „Vanishing Africa“ ikonisch werden sollten, und erlangte über Nacht Berühmtheit. Das Werk, gefeiert für seine Intimität und sein handwerkliches Können, trägt auch die Spuren des kolonialen Blicks; seine Ästhetik des Verschwindens wirft Fragen nach Autorschaft, Repräsentation und Macht auf.
Als markante Persönlichkeit vor und hinter der Kamera fand sich Mirella Ricciardi in der künstlerischen Elite Roms der 1960er-Jahre wieder. Dort wurde sie bewundert, fotografiert, und ihre koloniale Herkunft sowie ihre fesselnde Schönheit wurden oft exotisiert, was eine Faszination auslöste, die nicht ganz ihr selbst entsprang.
In Antonionis „L’Eclisse“ spielte sie sogar sich selbst und verkörperte eine Version ihrer selbst, die ebenso sehr vom Blick anderer wie von ihrem eigenen geprägt war. Die mittlerweile über neunzigjährige Ricciardi weigert sich, sich filmen zu lassen. Ihre Präsenz ist nur durch ihre Stimme und die Bilder spürbar, die sie zulässt, während sie versucht, Regisseur Oliver Bruck mit einer schwer fassbaren, aber eindringlichen Hand zu führen. Das Ergebnis ist ein Porträt, das ebenso sehr von Abwesenheit wie von Erscheinung geprägt ist.
„MIRELLA“ ist eine Meditation über Macht, Schönheit und Verlust. Im Zentrum steht eine Frau, die in ihrem Leben die Spannung zwischen Autorschaft, Sichtbarkeit und Auslöschung auslotet – geprägt von einer kolonialen Welt, die sie einst verkörperte, die aber nicht mehr existiert.
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