Do. 05.03.2026 - Mo. 09.03.2026

female tracks Filmtage 2026

Female Tracks Filmtage 2026: Bröckelnde Fassaden - Tiefe Risse

Auch dieses Jahr widmen wir uns rund um den Internationalen Frauentag am 08. März ein erweitertes Wochenende lang dem Werk weibicher Film- und Kulturschaffender. Zu erleben gibt es ein Filmprogramm aus aktuellen Starts, Klassikern, Kurzfilmen und einer exklusiven Preview, eine Paneldiskussion, eine Buchpräsentation und den allseits beliebten Frauenspaziergang.

Kuratiert werden die female tracks 2026 von Bianca Jasmina Rauch.

In diesem Female Tracks-Jahr soll es um Veränderungen gehen: um private und historische Einschnitte, die oftmals nur an der Oberfläche, als bröckelnde Fassaden sichtbar werden, dabei aber oft tiefe Risse in unseren Lebensläufen hinterlassen.Filme ermöglichen es uns, individuelle Geschichten mitzuerleben und diese gleichzeitig als Zeichen ihrer Zeit zu verstehen. Angela Summerder erzählt wie sich für Maria Zechmeister alles verändert, als ihr Mann nach dem Zweiten Weltkrieg nachhause kehrt. Während Christine auf ihrer Wallfahrt nach Lourdes (Jessica Hausner) auf das große, lebensverändernde Wunder hofft.

Im Kino geht es um „die Darstellung des Seelischen“, wie die Filmhistorikerin Heide Schlüpmann es formuliert, und darum, sich als Teil einer Gemeinschaft zu verstehen. Wenn Regisseur*innen in No Mercy (Isa Williger) vom langen Mangel an weiblichen Erfahrungen auf der Leinwand erzählen und ihrem Drang, dies zu ändern, können wir ihnen im dunklen Kinoraum leise (oder auch laut) zujubeln und wissen: wir sind nicht allein mit diesem Verlangen. Dass bemerken wir auch wenn Yvonne Rainer in Privilege im Jahr 1990 auf humorvolle Weise über Diskriminierung, über Menopause und Rassismus spricht. Filme lassen vergangene und gegenwärtige Kämpfe sowie deren Zusammenhänge sichtbar werden, kollektive Bewegungen, die zu emanzipatorischen Umbrüchen verhelfen können – das Private ist politisch. 

In The Chronology of Water (Kristen Stewart) verschwimmt die Intensität von Emotionen und Visualitäten traumatischer Erfahrungen mit der Befreiung aus deren Spirale, aus dem tiefen Riss. Buchstäbliches Bröckeln führt in Faruk zu Veränderungen im Leben des 95-jährigen Vaters der Filmemacherin Aslı Özge, dessen Wohnung den städtischen Modernisierungsmaßnahmen weichen muss - ein Schicksal das auch die Familie von Çağla Gillis (Block E, No. 5) ereilt. Der gemeinschaftliche Garten wird nur mehr in der Erinnerung und in ein paar Fotos fortleben. Eine riesige Anzahl an Aufnahmen hingegen fertigte Libuše Jarcovjáková an, faszinierende Dokumente von Jahrzehnten privater und historischer Umbrüche – allen voran des Prager Frühlings –, miteinander vermengt in Noch bin ich nicht wer ich sein möchte (Klára Tasovská). Von der damaligen Tschechoslowakei geht es mit Blum (Jasmila Žbanić) nach Bosnien und Herzegowina: nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Emerik Blum ein Unternehmen als eine Art demokratisches Modell, das seine Beteiligten in Aufbruchsstimmung versetzte. Ein Zwischenweg zwischen Kapitalismus und Sozialismus als wahr gewordener Traum? Ein paar Jahrzehnte später kehrt Nina Kusturica auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit von Wien nach Sarajevo zurück (Draga Ljiljana) wie auch Jola Wieczorek an ihre Kindheit in Polen zurückdenkt (List do Polski). Wie erinnern wir an kollektive Vergangenheiten (Some Memories, Lotte Schreiber)? Wenn wir erinnern, vergessen wir zugleich (To Forget, Lydia Nsiah).

Feministische Arbeit, wie auch die Female Tracks, kämpft immer gegen Unsichtbarkeit an. So beschäftigen sich auch die Autor*innen in Krieg- und Friedensbewegung mit historischen und aktuellen Bestrebungen der feministischen Friedensarbeit. Wo stehen wir in heutigen Krisenzeiten mit der Friedensbewegung, die in den 1970er und 80er Jahren noch viel breitere Aufmerksamkeit erlangte? Die Präsentation des kürzlich erschienenen Sammelbands durch die Herausgeberinnen Birge Krondorfer und Irmtraud Voglmayr im Medienkulturhaus erweitert das Festivalprogramm. Ein weiteres Gesprächsformat bildet das Panel Bruchpunkte der Geschichte: Filmwissenschaftlerin Asja Makarević, Filmemacherin Cordula Rieger und Filmemacherin und Forscherin Barbara Wolfram diskutieren über feministische Formen des Erinnerns. Wie lassen sich Erfahrungen von Gewalt, Verlust und Migration im Kino erzählen?

Auch außerhalb des Kinos werfen wir die Augen auf weibliche Geschichte: Zu Fuß führt uns Sigrid Leeb an jene Orte in Wels, die in den großen Erzählungen zu unrecht Auslassungen erfahren (haben).

Regie: Isa Willinger

Do., 05.03 - 19:00 Saal 1 OmdtU
Tickets
Female Tracks
DE 2026 | 104 MIN | mehrspr. OmdtU

Regie: Yvonne Rainer

Fr., 06.03 - 18:00 Saal 2 OmdtU
Tickets
Female Tracks
US 1990 | 103 MIN | EFmdtU

Regie: Jessica Hausner

Fr., 06.03 - 20:15 Saal 2 OdFmdtU
Tickets
Female Tracks
AT 2009 | 99 MIN |

Regie: Jola Wieczorek, Lotte Schreiber, Lydia Nsiah, Nina Kusturica

Sa., 07.03 - 18:00 Saal 2 OdF
Tickets
Female Tracks
AT 2000 | 57 MIN | OdF

Regie: Jasmila Žbanic

Sa., 07.03 - 20:00 Saal 2 OmdtU
Tickets
Female Tracks
BX 2024 | 75 MIN | mehrspr. OmdtU

Regie: Klára Tasovská

So., 08.03 - 15:30 Saal 1 OmdtU
Tickets
Female Tracks
AT 2024 | 91 MIN | OmdtU

Regie: Angela Summereder

So., 08.03 - 19:00 Saal 2 OdF
Tickets
Female Tracks
AT 1981 | 79 MIN | OdF

Regie: Aslı Özge

Mo., 09.03 - 18:00 Saal 2 OmdtU
Tickets
Female Tracks
TR 2024 | 110 MIN |

Regie: Kristen Stewart

Mo., 09.03 - 20:30 Saal 2 OmdtU
Tickets
Female Tracks
US 2025 | 128 MIN | DF, EFmdtU

Mit Unterstützung von

Spielzeiten

No Mercy - Der gnadenlose Blick
OmdtU
Saal 1
Privilege
OmdtU
Saal 2
Lourdes
OdFmdtU
Saal 2
female tracks Panel: Bruchpunkte der Geschichte: Bild, Stimme und das Unsagbare
OdF
Saal 1
female tracks Kurzfilmprogramm: Gestern ist sich heute erinnern
OdF
Saal 2
Blum - Masters of their own destiny
OmdtU
Saal 2
Noch bin ich nicht, wer ich sein möchte
OmdtU
Saal 1
Buchpräsentation: Krieg und Friedensbewegung - Feministische Perspektiven
OdF
Saal 2
Zechmeister
OdF
Saal 2
female tracks Filmprogramm: Faruk mit Vorfilm E Block, Daire 5
OmdtU
Saal 2
The Chronology of Water
OmdtU
Saal 2

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