female tracks Filmtage 2026
Female Tracks Filmtage 2026: Bröckelnde Fassaden - Tiefe Risse
Auch dieses Jahr widmen wir uns rund um den Internationalen Frauentag am 08. März ein erweitertes Wochenende lang dem Werk weibicher Film- und Kulturschaffender. Zu erleben gibt es ein Filmprogramm aus aktuellen Starts, Klassikern, Kurzfilmen und einer exklusiven Preview, eine Paneldiskussion, eine Buchpräsentation und den allseits beliebten Frauenspaziergang.
Kuratiert werden die female tracks 2026 von Bianca Jasmina Rauch.
In diesem Female Tracks-Jahr soll es um Veränderungen gehen: um private und historische Einschnitte, die oftmals nur an der Oberfläche, als bröckelnde Fassaden sichtbar werden, dabei aber oft tiefe Risse in unseren Lebensläufen hinterlassen.Filme ermöglichen es uns, individuelle Geschichten mitzuerleben und diese gleichzeitig als Zeichen ihrer Zeit zu verstehen. Angela Summerder erzählt wie sich für Maria Zechmeister alles verändert, als ihr Mann nach dem Zweiten Weltkrieg nachhause kehrt. Während Christine auf ihrer Wallfahrt nach Lourdes (Jessica Hausner) auf das große, lebensverändernde Wunder hofft.
Im Kino geht es um „die Darstellung des Seelischen“, wie die Filmhistorikerin Heide Schlüpmann es formuliert, und darum, sich als Teil einer Gemeinschaft zu verstehen. Wenn Regisseur*innen in No Mercy (Isa Williger) vom langen Mangel an weiblichen Erfahrungen auf der Leinwand erzählen und ihrem Drang, dies zu ändern, können wir ihnen im dunklen Kinoraum leise (oder auch laut) zujubeln und wissen: wir sind nicht allein mit diesem Verlangen. Dass bemerken wir auch wenn Yvonne Rainer in Privilege im Jahr 1990 auf humorvolle Weise über Diskriminierung, über Menopause und Rassismus spricht. Filme lassen vergangene und gegenwärtige Kämpfe sowie deren Zusammenhänge sichtbar werden, kollektive Bewegungen, die zu emanzipatorischen Umbrüchen verhelfen können – das Private ist politisch.
In The Chronology of Water (Kristen Stewart) verschwimmt die Intensität von Emotionen und Visualitäten traumatischer Erfahrungen mit der Befreiung aus deren Spirale, aus dem tiefen Riss. Buchstäbliches Bröckeln führt in Faruk zu Veränderungen im Leben des 95-jährigen Vaters der Filmemacherin Aslı Özge, dessen Wohnung den städtischen Modernisierungsmaßnahmen weichen muss - ein Schicksal das auch die Familie von Çağla Gillis (Block E, No. 5) ereilt. Der gemeinschaftliche Garten wird nur mehr in der Erinnerung und in ein paar Fotos fortleben. Eine riesige Anzahl an Aufnahmen hingegen fertigte Libuše Jarcovjáková an, faszinierende Dokumente von Jahrzehnten privater und historischer Umbrüche – allen voran des Prager Frühlings –, miteinander vermengt in Noch bin ich nicht wer ich sein möchte (Klára Tasovská). Von der damaligen Tschechoslowakei geht es mit Blum (Jasmila Žbanić) nach Bosnien und Herzegowina: nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Emerik Blum ein Unternehmen als eine Art demokratisches Modell, das seine Beteiligten in Aufbruchsstimmung versetzte. Ein Zwischenweg zwischen Kapitalismus und Sozialismus als wahr gewordener Traum? Ein paar Jahrzehnte später kehrt Nina Kusturica auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit von Wien nach Sarajevo zurück (Draga Ljiljana) wie auch Jola Wieczorek an ihre Kindheit in Polen zurückdenkt (List do Polski). Wie erinnern wir an kollektive Vergangenheiten (Some Memories, Lotte Schreiber)? Wenn wir erinnern, vergessen wir zugleich (To Forget, Lydia Nsiah).
Feministische Arbeit, wie auch die Female Tracks, kämpft immer gegen Unsichtbarkeit an. So beschäftigen sich auch die Autor*innen in Krieg- und Friedensbewegung mit historischen und aktuellen Bestrebungen der feministischen Friedensarbeit. Wo stehen wir in heutigen Krisenzeiten mit der Friedensbewegung, die in den 1970er und 80er Jahren noch viel breitere Aufmerksamkeit erlangte? Die Präsentation des kürzlich erschienenen Sammelbands durch die Herausgeberinnen Birge Krondorfer und Irmtraud Voglmayr im Medienkulturhaus erweitert das Festivalprogramm. Ein weiteres Gesprächsformat bildet das Panel Bruchpunkte der Geschichte: Filmwissenschaftlerin Asja Makarević, Filmemacherin Cordula Rieger und Filmemacherin und Forscherin Barbara Wolfram diskutieren über feministische Formen des Erinnerns. Wie lassen sich Erfahrungen von Gewalt, Verlust und Migration im Kino erzählen?
Auch außerhalb des Kinos werfen wir die Augen auf weibliche Geschichte: Zu Fuß führt uns Sigrid Leeb an jene Orte in Wels, die in den großen Erzählungen zu unrecht Auslassungen erfahren (haben).
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Regie: Isa Willinger
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Christine ist gelähmt und nimmt an einer Pilgerreise nach Lourdes teil. Der Wunderglaube und die Hoffnung der Pilger sind ihr…
Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich historische Brüche erzählen lassen, wenn Gewalt, Verlust und Migration nicht vollständig…
Die Erinnerung an eine frühere Lebensphase, an die verlassene Heimat, an nahestehende Menschen, an Gerüche oder an das kollektive…
Regie: Jola Wieczorek, Lotte Schreiber, Lydia Nsiah, Nina Kusturica
Nach dem Zweiten Weltkrieg schuf der Unternehmer Emerik Blum im verwüsteten, ländlichen Bosnien und Herzegowina, einem Land mit…
Regie: Jasmila Žbanic
Nach dem Einmarsch der Sowjets in die Tschechoslowakei im Jahr 1968 versucht die junge Fotografin Libuše Jarcovjáková, sich von den…
Regie: Klára Tasovská
Die aktuellen kriegerischen Katastrophen lassen nicht nur westeuropäische Friedensillusionen, sondern auch die bequeme Einbettung…
Frau Maria Zechmeister wird beschuldigt, ihren Gatten vergiftet zu haben. Die Wege einer juristischen Recherche, die Suche nach…
Regie: Angela Summereder
Mit 96 Jahren wird Faruk, Vater der Regisseurin Aslı Özge, mit einem unfreiwilligen Umzug konfrontiert. Im Zuge von geförderten…
Regie: Aslı Özge
Aufgewachsen in einem von Gewalt und Alkohol geprägten Umfeld, findet eine junge Frau ihre Stimme im geschriebenen Wort und ihre…
Regie: Kristen Stewart
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Stoff - Ein Spitzengeschäft folgt den verschlungenen Pfaden einer Textilgeschichte, die Nigeria und Österreich seit Jahrhunderten eng verwebt. So farbenfroh und vielschichtig wie die Stoffe selbst, porträtiert der zweiteilige Film extravagante Modeikonen und geschäftige Textilproduzent:innen und beschwört dabei die Geister, die in den verborgenen…
Der Kinderbuchklassiker von Mira Lobe und Winfried Opgenoorth als Bilderbuchkino, gelesen von Franz Strasser.
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